BELARO Wissen · Liquiditätsreichweite

Wie viele Wochen überlebt Ihr Unternehmen ohne Umsatz?

Eine Division beantwortet die wichtigste Frage der Finanzsteuerung. Der Mittelstandsdurchschnitt liegt bei 39 Tagen — und die häufigsten Rechenfehler machen die eigene Zahl doppelt so gut, wie sie ist.

24. August 2026 · BELARO GELD

Wie viele Wochen überlebt Ihr Unternehmen ohne Umsatz?

Es gibt eine Frage, die jeder Geschäftsführer in zehn Sekunden beantworten können sollte und die die wenigsten beantworten können.

Wenn ab morgen keine Zahlung mehr eingeht — wie lange läuft Ihr Unternehmen weiter?

Die Frage ist kein Katastrophenszenario. Sie ist ein Maßstab. Sie misst in einer einzigen Zahl, wie viel Handlungsspielraum zwischen Ihnen und dem nächsten unerwarteten Ereignis liegt. Ein Großkunde, der drei Monate später zahlt. Ein Maschinenschaden. Eine Bank, die die Linie kürzt.

Der Ausgangswert

Die Working-Capital-Studie 2025 nennt für den deutschen Mittelstand eine durchschnittliche Liquiditätsreichweite von 39 Tagen. Fünfeinhalb Wochen. Das ist der Puffer, mit dem ein typisches Unternehmen operiert. Diese Zahl ist der Durchschnitt. Das heißt, ungefähr die Hälfte aller Unternehmen liegt darunter.

Die Rechnung

Sie brauchen zwei Werte.

Schritt 1 — Verfügbare eigene Liquidität. Alle Bankguthaben plus Kasse plus Anlagen, die Sie innerhalb weniger Tage auflösen können, ohne Verlust hinzunehmen. Fertig.

Schritt 2 — Monatliche Auszahlungen bei Stillstand. Nicht die Fixkosten aus der BWA, sondern das Geld, das tatsächlich abfließt, wenn nichts mehr produziert wird: Löhne und Gehälter, Sozialabgaben, Miete und Pacht, Leasingraten, Versicherungen, Zins und Tilgung, IT und Telekommunikation, Grundlast Energie. Dazu alle Verbindlichkeiten, die in diesem Zeitraum ohnehin fällig werden.

Schritt 3 — Dividieren, mal 4,3.

Verfügbare Liquidität ÷ monatliche Auszahlungen × 4,3 = Reichweite in Wochen

Beispiel: 380.000 € verfügbar, 310.000 € monatlicher Abfluss.

380.000 ÷ 310.000 × 4,3 = 5,3 Wochen

Die drei Fehler, die das Ergebnis schönrechnen

Fehler 1: Die Kreditlinie mitzählen. Der häufigste und der teuerste. Eine freie Kontokorrentlinie fühlt sich wie Liquidität an. Sie gehört jemand anderem. Banken kürzen Linien genau dann, wenn sich die Lage verschlechtert — also exakt in dem Szenario, für das Sie rechnen.

Rechnen Sie beide Werte getrennt. Die Reichweite aus eigener Liquidität ist Ihre harte Zahl. Die Reichweite inklusive Linie ist Ihr Best Case. Wenn zwischen beiden ein Faktor drei liegt, wissen Sie, wie abhängig Sie tatsächlich sind.

Fehler 2: Offene Forderungen als Liquidität behandeln. Eine gestellte Rechnung ist ein Zahlungsversprechen. Bei 64 Tagen durchschnittlicher Laufzeit ist ein erheblicher Teil Ihres Forderungsbestands in dem Zeitraum, für den Sie rechnen, noch gar nicht fällig. Und wenn Ihr Unternehmen in Schwierigkeiten gerät, verlängern sich Zahlungsziele erfahrungsgemäß eher, als dass sie sich verkürzen.

Fehler 3: Abschreibungen in den Fixkosten lassen. Abschreibungen sind Aufwand ohne Zahlungsabfluss. Wer sie mitrechnet, macht seine eigene Lage schlechter, als sie ist. Der einzige Fehler in diese Richtung — und der einzige, der niemandem schadet.

Was die Zahl bedeutet

Unter 4 Wochen — Jede Verzögerung wird zum Ereignis. In diesem Bereich wird nicht mehr gesteuert, sondern reagiert. Die Reihenfolge der Zahlungen entscheidet über den Fortbestand, und das ist eine Position, aus der heraus sich schlecht verhandeln lässt.

4 bis 8 Wochen — Der Bereich, in dem sich der größte Teil des deutschen Mittelstands bewegt. Funktioniert, solange nichts passiert. Ein einzelner Zahlungsausfall über 50.000 € verschiebt die Zahl bereits spürbar.

8 bis 12 Wochen — Hier beginnt Handlungsfähigkeit. Ein Ausfall lässt sich abfedern, eine Investition planen, ein Bankgespräch aus einer ruhigen Position führen.

Über 12 Wochen — Komfortabel. Ab einem gewissen Punkt stellt sich allerdings die Gegenfrage, ob zu viel Kapital ungenutzt liegt.

Warum die Zahl selten bekannt ist

Sie taucht in keinem Standardbericht auf. Die BWA kennt sie nicht, weil sie Aufwand und Ertrag betrachtet. Die Bilanz kennt sie nicht, weil sie Bestände zum Stichtag zeigt. Der Kontoauszug zeigt einen Betrag ohne Bezug zu den Kosten, die ihn aufzehren.

Dazu kommt: Der Kontostand ist ein starkes, sichtbares Signal. Die Fixkosten senden kein Signal. Sie laufen ab. Diese Asymmetrie führt dazu, dass fast jeder seine eigene Reichweite überschätzt.

Die drei Wege, sie zu erhöhen

Liquidität hinzufügen. Kapitalerhöhung, Darlehen, Gesellschafterzuschuss. Wirkt sofort, kostet Geld oder Anteile, und funktioniert am besten, wenn man es nicht dringend braucht.

Auszahlungen senken. Wirkt dauerhaft, dauert Monate und trifft Substanz. Der letzte Hebel, den man zieht.

Gebundenes Kapital freisetzen. Der Weg, der weder Zinsen kostet noch Substanz angreift: Forderungen schneller einziehen, Bestände senken, Zahlungsziele verlängern. Für ein Unternehmen mit 12 Mio. € Umsatz sind das in der Rechnung aus den vorangegangenen Artikeln rund eine Million Euro.

Eine Million Euro auf 310.000 € monatlichen Abfluss verändert die Reichweite von 5,3 auf über 19 Wochen.

Dieselben Fixkosten. Derselbe Umsatz. Ein anderes Unternehmen.

Machen Sie die Rechnung heute

Sie brauchen den Kontostand und eine Liste Ihrer monatlichen Zahlungsverpflichtungen. Beides liegt vor. Die Rechnung dauert zehn Minuten.

Was Sie danach haben, ist eine Zahl, die Sie jeden Monat fortschreiben können — und die jede Entscheidung über Investitionen, Einstellungen und Aufträge auf eine andere Grundlage stellt.

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Dieser Beitrag wurde KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft.

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