BELARO Wissen · Working Capital

Das Lager als stiller Liquiditätsspeicher

78 Tage Lagerdauer binden bei 12 Mio. € Umsatz rund 1,54 Mio. € Kapital. Warum das Lager der am schlechtesten gesteuerte Posten der Bilanz ist — und welche drei Hebel wirken.

10. August 2026 · BELARO GELD

In jeder Bilanz gibt es eine Position, die niemand verteidigt und niemand steuert. Sie steht unter Vorräte, sie wächst still über Jahre, und sie wird erst dann zum Thema, wenn die Bank nachfragt.

Das Lager ist Geld. Es ist Geld, das Sie bereits bezahlt haben und das noch nicht zurückgekommen ist. Zwischen dem Tag, an dem die Rechnung Ihres Lieferanten fällig war, und dem Tag, an dem Ihr Kunde zahlt, finanzieren Sie jeden Artikel im Regal aus eigener Tasche.

Die Rechnung, die selten jemand aufstellt

Nehmen wir ein Unternehmen mit 12 Mio. € Umsatz und einem Wareneinsatz von 7,2 Mio. €. Die durchschnittliche Lagerdauer beträgt 78 Tage — ein realistischer Wert für Fertigung und technischen Handel im Mittelstand.

7.200.000 ÷ 365 × 78 = 1.538.000 €

Anderthalb Millionen Euro liegen in Regalen, auf Paletten, in Zwischenlagern. Dieses Kapital arbeitet nicht. Es steht.

Und es kostet. Kapitalbindung, Lagerfläche, Versicherung, Handling, Schwund, Wertverlust — realistisch zwischen 18 und 25 Prozent des Bestandswerts pro Jahr. Bei 1,54 Mio. € Bestand sind das rund 300.000 € laufende Kosten, die in keiner Position isoliert auftauchen.

Was eine Reduktion um 15 Tage bewirkt

Von 78 auf 63 Tage Lagerdauer:

7.200.000 ÷ 365 × 15 = 296.000 €

Fast dreihunderttausend Euro, die auf das Konto zurückkommen. Ohne zusätzlichen Umsatz. Ohne Kredit. Ohne einen einzigen neuen Kunden.

Warum das Lager wächst

Bestände entstehen selten durch eine Entscheidung. Sie entstehen durch viele kleine, jede für sich vernünftige Reaktionen:

Ein Lieferengpass vor drei Jahren. Danach wurde der Sicherheitsbestand erhöht — und nie wieder gesenkt.

Mindestbestellmengen und Staffelrabatte. Der Einkauf spart drei Prozent auf den Einkaufspreis und bindet dafür acht Monate Kapital. Der Rabatt landet in der GuV, die Kapitalbindung landet nirgendwo.

Sortimentsbreite als Verkaufsargument. Jede zusätzliche Variante bringt Bestand mit, den niemand einzeln bewertet.

Fehlende Zuständigkeit. Der Einkauf verantwortet Preise. Der Vertrieb verantwortet Lieferfähigkeit. Die Kapitalbindung verantwortet niemand.

Das Ergebnis ist ein Bestand, der über Jahre nach oben wandert, weil jede einzelne Entscheidung isoliert richtig war.

Die drei Hebel, die zuerst wirke

1. ABC/XYZ-Analyse

Etwa 20 Prozent der Artikel machen 80 Prozent des Umsatzes. Für diese A-Artikel ist hohe Verfügbarkeit richtig. Für den Rest ist sie teuer. Der erste Schritt ist die Trennung: Was muss jederzeit da sein, was kann bestellt werden, was braucht überhaupt keinen Bestand mehr. Typische Wirkung: 10 bis 30 Prozent weniger Bestand innerhalb von 90 Tagen.

2. Langsamdreher konsequent auflösen

Jedes Lager enthält Ware, die seit über 180 Tagen liegt. Sie wird zum vollen Wert bilanziert und ist faktisch tot. Ein Bestandsalter-Report macht das in einer Stunde sichtbar. Danach gibt es drei Wege: Abverkauf mit Rabatt, Bündelung mit Schnelldrehern, Verwertung über Zweitkanäle. Jeder dieser Wege ist besser als weiter finanzieren.

3. Losgrößen und Lieferfrequenz neu verhandeln
Kleinere Mengen, häufigere Lieferungen. Das kostet ein paar Zehntel Prozent im Einkaufspreis und setzt ein Vielfaches an Kapital frei. Rechnen Sie den Vergleich einmal explizit durch — Rabatt in Euro gegen Kapitalbindung in Euro. Das Ergebnis überrascht die meisten Einkaufsleiter.

Der Einstieg dauert eine Stunde

Ziehen Sie aus Ihrem ERP eine Liste aller Artikel mit Bestandswert und Datum des letzten Zugangs. Sortieren Sie nach Alter. Summieren Sie alles, was älter als 180 Tage ist.

Diese Zahl ist Ihr sofort verfügbarer Liquiditätsspeicher. In den meisten Mittelstandsunternehmen liegt sie zwischen 8 und 15 Prozent des Gesamtbestands.

Die Kennzahl, die zählt

Solange Ihr Lager in Stück und Verfügbarkeit gemessen wird, wächst es. Sobald es in Tagen und Euro gemessen wird, sinkt es.

Führen Sie die Lagerdauer als monatliche Kennzahl ein — neben DSO und DPO. Drei Zahlen, ein Blick, jeden Monat. Damit wird aus einem Posten, den niemand steuert, ein Hebel, den Sie bedienen können.

Gewinn ist Theorie. Liquidität ist Realität.

Wie viel Kapital in Ihrem Lager, Ihren Forderungen und Ihren Zahlungszielen gebunden ist, beantwortet der BELARO® Liquiditäts-Index in 48 Stunden — mit einem Score von 0 bis 100 und einer konkreten Zahl in Euro.

Dieser Beitrag wurde KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft.

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