Was Sie jetzt über Ihr Unternehmen wissen sollten
Vierundzwanzig Beiträge liegen hinter dieser Reihe. Forderungen, Bestände, Zahlungsziele, Kreditlinien, Skonto, Projektgeschäft, Ausschüttungen, das Bankgespräch.
Dieser Beitrag fasst zusammen, was daraus für ein einzelnes Unternehmen folgt — und was davon sich an einem Nachmittag beantworten lässt.
Die vier Zahlen
1 · Liquiditätsreichweite in Wochen
Verfügbare eigene Mittel geteilt durch die monatlichen Auszahlungen bei Stillstand, mal 4,3.
Die Kreditlinie gehört nicht hinein. Sie gehört jemand anderem, und sie wird erfahrungsgemäß in genau dem Moment gekürzt, für den Sie rechnen. Rechnen Sie die Variante mit Linie zusätzlich — der Abstand zwischen beiden Zahlen zeigt Ihre Abhängigkeit.
Der Mittelstandsdurchschnitt liegt laut Working-Capital-Studie 2025 bei 39 Tagen. Knapp sechs Wochen.
2 · Cash Conversion Cycle
Forderungslaufzeit plus Lagerdauer minus Lieferantenzahlungsziel.
Die Zahl der Tage, die Sie Ihr eigenes operatives Geschäft vorfinanzieren. Deloitte misst für Deutschland zuletzt 65 Tage im Durchschnitt, mit einer Verschlechterung gegenüber dem Vorjahr — während sich andere europäische Märkte verbesserten.
3 · Kontokorrent-Auslastung im Verlauf
Nicht der heutige Stand, sondern der niedrigste Kontostand jedes Monats über 24 Monate.
Steigt diese Reihe, hat sich ein Betriebsmittelkredit still in eine Dauerfinanzierung verwandelt — zum teuersten verfügbaren Zinssatz und mit der Möglichkeit der Bank, jederzeit zu kürzen.
4 · Gebundenes Kapital gegenüber dem Branchenmedian
Je Kennzahl die Differenz zum Median Ihrer Branche, multipliziert mit dem Tagesumsatz beziehungsweise dem Tageswareneinsatz.
Das ist der Betrag, der freisetzbar wäre, wenn Ihr Unternehmen arbeitete wie der Durchschnitt seiner Branche.

Was diese vier Zahlen gemeinsam haben
Keine davon steht in der BWA. Keine steht in der Bilanz. Keine kommt vom Steuerberater, weil sie nicht Teil seines Auftrags ist.
Alle vier lassen sich aus Daten berechnen, die längst im Haus sind. Der Aufwand liegt bei etwa einer Stunde, wenn man die Werte zusammensucht.
Und genau deshalb werden sie selten berechnet: Für etwas, das weder angefordert noch berichtet wird, ist niemand zuständig.
Die Hebel dahinter
Für ein Unternehmen mit 12 Mio. € Umsatz und 7,2 Mio. € Wareneinsatz ergaben die Rechnungen dieser Reihe:
Hebel Veränderung Effekt
Forderungen 64 → 49 Tage 493.000 €
Lager 78 → 63 Tage 296.000 €
Zahlungsziele 34 → 45 Tage 217.000 €
Summe CCC 108 → 67 Tage 1.006.000 €
Dazu die Hebel, die keinen Prozess verlangen, sondern eine Entscheidung: Skontodisziplin im Einkauf, ein Zahlungsplan mit Anzahlung im Projektgeschäft, Gewährleistungseinbehalte durch Bürgschaften ersetzt, die Ausschüttung in Tranchen statt in einem Betrag.
Die ehrliche Einschränkung
Diese Million ist ein Rechenergebnis, kein Versprechen.
Sie unterstellt, dass alle drei Kennzahlen auf Branchenmedian gebracht werden. Das gelingt in der Praxis selten vollständig. Manche Kunden zahlen nicht schneller. Manche Bestände sind durch Lieferzeiten gebunden. Manche Lieferanten können keine längeren Ziele geben, ohne selbst in Schwierigkeiten zu geraten.
Realistisch ist, einen Teil davon zu heben — und dieser Teil ist in den meisten Unternehmen trotzdem sechsstellig.
Was sich dagegen sicher sagen lässt: Ohne die Messung wird gar nichts gehoben. Die Zahl zu kennen, ist die Voraussetzung für jede Entscheidung darüber.
Was die Datenlage zeigt
Die Studien, die dieser Reihe zugrunde liegen, zeichnen ein konsistentes Bild.
Grant Thornton beziffert das Cash-Potenzial im deutschen Mittelstand auf durchschnittlich 12,5 Prozent des Umsatzes — bei 100 Mio. € Umsatz also 12,5 Mio. €.
Die ZIS-Mannheim-Untersuchung mit 125 Insolvenzverwaltern und rund 19.000 Fällen nennt fehlendes Controlling in 79 Prozent der Fälle, Finanzierungslücken in 76 Prozent und unzureichendes Debitorenmanagement in 64 Prozent als Insolvenzursachen. Drei Working-Capital-Themen unter den vier wichtigsten.
Euler Hermes findet in einer Untersuchung an über 250.000 europäischen Mittelständlern, dass Frühwarnindikatoren im Schnitt vier Jahre vor der Insolvenz messbar sind — und dass in Deutschland Zahlungsunfähigkeit häufiger in die Insolvenz führt als Überschuldung.
Das Wissen ist vorhanden, belegt und seit Jahrzehnten zugänglich. Was im einzelnen Unternehmen fehlt, ist die Anwendung.
Was Sie diese Woche tun können
Dreißig Minuten: Reichweite rechnen. Kontostand plus Kasse, geteilt durch monatliche Auszahlungen bei Stillstand, mal 4,3.
Eine Stunde: Die vier Zahlen vollständig ermitteln. Aus dem ERP die Forderungslaufzeit, die Lagerdauer, das durchschnittliche Zahlungsziel. Aus dem Kontoauszug die Monatstiefstände der letzten 24 Monate.
Zwei Stunden: Die Liste der Artikel mit über 180 Tagen Lagerzeit ziehen und die Liste der zwanzig größten Lieferanten mit ihrem vereinbarten Zahlungsziel. In beiden Listen liegt der größte Teil des kurzfristig hebbaren Potenzials.
Keine Software. Keine Beratung. Keine Investition. Nur die Entscheidung, hinzusehen.
Wenn Sie es vergleichen wollen
Was Sie mit der eigenen Rechnung nicht bekommen: den Vergleich zu Ihrer Branche, die Reihenfolge der Hebel nach Wirkungsgeschwindigkeit und eine Projektion, wo Ihre Zahlen in sechs Monaten stehen, wenn nichts passiert.
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Was als Nächstes kommt
Diese Reihe hat beschrieben, wo Kapital gebunden ist und was es kostet. Das war der Teil, der Aufmerksamkeit verlangt.
Der nächste Teil geht in die Mechanik: wie das Cashflow-Statement zu lesen ist, wie ein 13-Wochen-Modell aufgebaut wird, wie Forderungsmanagement systematisch funktioniert, wann Factoring sich rechnet und was auf ein Liquiditäts-Dashboard gehört.
Vom Erkennen zum Verstehen. Danach zum Umsetzen.
Gewinn ist Theorie. Liquidität ist Realität.
Dieser Beitrag wurde KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft.
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